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Šlomo Surayt

Ein Einführungskurs ins Surayt-Aramäische (Turoyo) 

ARAMAIC-ONLINE PROJECT (2014-2017)


Herausgegeben von

Shabo Talay

  

 

A1-A2

 

 


The European Commission support for the production of this publication does not constitute an endorsement of the contents which reflects the views only of the authors, and the Commission cannot be held responsible for any use which may be made of the information contained therein.



Vorwort

“Šlomo Surayt – Ein Einführungskurs ins Surayt-Aramäische (Turoyo)” wurde im Rahmen des Aramaic-Online Projects (2014-2017) und durch die Zusammenarbeit von vier europäischen Universitäten - Freie Universität Berlin, Universität Bergen, Universität Cambridge und Universität Leipzig - und dem Syrisch-Orthodoxen St Ephrem-Kloster in den Niederlanden entwickelt.

Das Projekt wurde vom Erasmus+ Programm der Europäischen Union mitfinanziert und bietet einen Online-Kurs und zusätzliches Lernmaterial zum Surayt-Aramäischen, welches von der UNESCO als vom Aussterben bedrohte Sprache klassifiziert wird.

Die Inhalte dieses Kurses wurden über den Projektzeitraum unter der Leitung von Prof. Dr. Shabo Talay, Freie Universität Berlin, konzipiert. Die einzelnen Lektionen wurden mehrfach überarbeitet und nach Inhalt und Methodik von einem Beratungsgremium und mehreren unabhängigen Freiwilligen ausgewertet. Alles in Allem ist der Kurs ein Produkt einer langen anspruchsvollen Zusammenarbeit eines größeren Teams aus Inhalts-Entwicklern, Rezensenten, Übersetzern, Technischen Mitarbeitern, Layout-Designern und Programmierern.

Trotz mehrfacher Überarbeitung ist uns bewusst, dass sich im Text möglicherweise Fehler finden werden und es auch Abschnitte geben kann, die weiterer Optimierung bedürfen. Deshalb würden wir uns über jede Rückmeldung per e-mail an: aramaic.online@gmail.com freuen.

Wir möchten allen danken, die dieses Projekt möglich gemacht haben. An erster Stelle unseren Partnerorganisationen und den jeweils beteiligten Personen; dem Norwegian Centre for International Cooperation in Education (SIU) in Bergen, unseren assoziierten Partnern KANO Suryoyo und Inanna Foundation.

Zudem danken wir allen Organisationen und Privatpersonen, die das Projekt bei unseren Informationsveranstaltungen in verschiedenen europäischen Ländern unterstützt und durch konstruktive Kritik bereichert haben.

In besonderer Weise danken wir Arve Kjell Uthaug und Dr. Ludmilla Torlakova von der Universität Bergen für ihre großzügige Unterstützung und Hilfe in allen Entwicklungsphasen des Aramaic-Online Projects.

  

Berlin, Juli 2017

Shabo Talay

Für das Aramaic-Online Project


Produktionsteam

Prof. Dr. Shabo Talay             Wissenschaftliche Leitung, Inhaltsentwicklung, Bearbeitung, Edition

Murat Can                              Texterstellung, Inhaltsentwicklung, Bearbeitung

Barbara A. Üzel                       Inhaltsentwicklung, Bearbeitung

Nicolas Atas                            Inhaltsentwicklung, Bearbeitung

Dr. Naures Atto                       Inhaltsentwicklung, Bearbeitung

Polycarpus Dr Augin Aydin     Bearbeitung

Dr. Jean Yoseph                      Bearbeitung, Layout

Hanibal Romanos                    Bearbeitung

Soner Ö. Barthoma                  Koordination, Bearbeitung


Beratungsgremium und Externe Evaluatoren  

Prof. Dr. Otto Jastrow (Tallinn University); Prof. Dr. Geoffrey A. Khan (University of Cambridge); Prof. Dr. Werner Arnold (University of Heidelberg); Prof. Dr. Sergey Loesov (RGGU Moscow); Ass. Prof. Dr. Ablahad Lahdo (Uppsala University); Dr. Jan van Ginkel (Free University of Amsterdam)

Sprachversionen

Deutsch:          Barbara A. Üzel, Dr. Jean Yoseph, Charlotte Asbrock, Dr. Stefanie Rudolf, Eddy J. Talay

Englisch:         Dr. Naures Atto, Keri Miller, Lea Rasche

Schwedisch:     Hanibal Romanos, Dr. Ablahad Lahdo

Niederländisch: Murat Can, Martin Can, Katrin Can und Özcan Bozkurt

Französisch:    Nicolas Atas

Arabisch:         Dr. Jean Yoseph

Türkisch:         Ellie Dogan, Soner O. Barthoma

 Stimmen

Weiblich:         Barbara A. Üzel, Ninhursag Tadaros und die Anderen

Männlich:         Murat Can, Dr. Jean Yoseph, Dr. Yousef Kouriyhe

Software und Layout

Prof. Dr. Eckehard Schulz (Leipzig), Andy Wermcke,

Jonathan F. Schmid, Dr. Jean Yoseph and Soner Ö. Barthoma

Design

Freie Universität Berlin, CeDIS (Website)

Spektrum 44 GmbH, Germany (Web design)

Sharokin Betgevargis, USA (Logo, corporate design)

TBA Form, Schweden (Book layout)

Einleitung

Surayt ist eine neuaramäische Sprache, die von aramäischen/assyrischen Christen ursprünglich im Turabdin im Südosten der Türkei gesprochen wurde. In der Wissenschaft ist Surayt auch als „Turoyo“ bekannt. Jedoch hat sich dieser Ausdruck bei den Sprechern nicht durchgesetzt. Sie nennen ihre Sprache in der Regel Surayt, was auf das syrisch-aramäische Suryå'īṯ zurückgeht und „syrisch“ beziehungsweise „in der Art der Syrer“ bedeutet. In der westlichen Diaspora wird heutzutage die Sprache vor allem von jüngeren Sprechern einfach Suryoyo, was zugleich die Volksbezeichnung ist, genannt.

 

 

Ursprüngliches Sprachgebiet des Surayt in der Osttürkei

In diesem Sprachkurs haben wir uns für die Verwendung von Surayt als Bezeichnung der Sprache entschieden, weil dies die traditionelle Sprachbezeichnung ist. Daneben kann die Sprache auch mit Turoyo bezeichnet werden, ein Begriff, der sich in akademischen Kreisen und in der Wissenschaft etabliert hat.  Zudem ist das in der Diaspora gesprochene Surayt nicht identisch mit den im Blickpunkt der Semitistik stehenden lokalen Dialekten des Turoyo im Turabdin. Vielmehr ist die Sprachform, die in Šlomo Surayt gelehrt wird, eine geringfügig vereinheitlichte Version des Surayt, welches sich in der Diaspora, in einem neuen zeitgemäßen Umfeld, entwickelt hat.

Heute wird Surayt im Herkunftsgebiet Turabdin nur noch von rund 1500 Menschen gesprochen. Jedoch wird es allein in Europa von über 250 000 Menschen als ihre Muttersprache angesehen. Wie viele davon die Sprache tatsächlich noch in ihrem Alltag benutzen, kann nicht ermittelt werden. Surayt ist kein Dialekt oder eine neue Form des Klassisch-Syrischen (kṯobonoyo), welches noch als Liturgie-Sprache in den syrischen Kirchen Verwendung findet. Innerhalb der neu-aramäischen Sprachen ist Surayt den neu-ostaramäischen Sprachen zuzuordnen. Zu dieser neuaramäischen Sprachgruppe gehören auch die christlich- und jüdisch-aramäischen Dialekte im Irak und Iran.

Die folgende Tabelle stellt die Klassifizierung von Surayt innerhalb der Neu-Aramäischen Sprachen dar:


West-Aramäisch

Ost-Aramäisch

Neu-Westaramäisch (NWA)

Neu-Ostaramäisch (NOA)

Maʿlula,

Baxʿa,

Ǧubbʿadīn

 

West-Syrisch

Ost-Syrisch

Surayt/Turoyo

Mlaḥsō

 

Nordöstliches Neu-Aramäisch (NENA)

-        Christliches NENA

-        Jüdisches NENA

Neu-Mandäisch, Iran


Die Sprecher des Surayt nennen sich größtenteils Suryoye (Sg.m. Suryoyo, f. Suryayto). Die adäquate Bezeichnung in den westlichen Sprachen hat in der Sprachgemeinschaft zu hitzigen Diskussionen und Debatten geführt. Die Lernenden können in der Literatur verschiedenen Bezeichnungen für die Sprachgemeinschaft des Surayt begegnen. Die häufigsten davon sind Aramäer, Syrer, Assyrer und Suryoye, sowie zusammengesetzte Versionen dieser Namen. Um Diskussionen zu diesem Thema zu vermeiden, haben wir uns in der deutschen Version für den Begriff Aramäer/Assyrer entschieden. In anderen Sprachen haben wir jeweils einen in der Gesellschaft akzeptierten und dem sprachlichen Umfeld angepassten Terminus verwendet. Wir möchten unterstreichen, dass wir mit Šlomo Surayt das Ziel verfolgen, den Interessenten eine Möglichkeit zum Erlernen dieser enorm wichtigen Sprache zu bieten. Diskussionen über die Namensgebung und ethnischer Identität der Sprecher sind für den Sprachkurs irrelevant und nicht zielführend. 

Bevor wir mit unserem Projekt begannen hatte Surayt keine standardisierte Orthographie. Deshalb haben wir eine neue Orthographie entwickelt. Um eine größtmögliche Akzeptanz der Sprechergemeinschaft und der Nutzer zu erreichen, haben wir uns dabei für eine duale Orthographie auf Basis des syrisch-aramäischen, beziehungsweise lateinischen Alphabets entschieden. Diese zweigleisige Vorgehensweise ist das Ergebnis eines mehrjährigen Diskurses, der in mehreren Kolloquien und Workshops an den Universitäten von Bergen, Cambridge und FU Berlin, sowie im Mor Afrem Kloster in den Niederlanden, seit 2012 geführt wurde. Maßgebliche Wissenschaftler des Aramäischen und viele Experten aus der Sprachgemeinschaft nahmen an diesen Treffen teil und trugen zum Ergebnis bei.

Der Sprachkurs

Šlomo Surayt verfolgt das Ziel, das Surayt als eine moderne Alltagssprache, wie sie heute unter Muttersprachlern gesprochen wird, zu unterrichten. Der Kurs ermöglicht den Lernenden, sich kommunikative Kompetenzen in unterschiedlichen Alltagssituationen anzueignen. Jede Lektion beinhaltet Materialien, die Lese-, Schreib-, Hör- und Aussprachefähigkeit der Nutzer fördern. Des Weiteren enthält jede Lektion ab 3. einen Abschnitt über kulturelle Eigenheiten, um den kulturellen Kontext der Sprache zu beleuchten.

Der Sprachkurs umfasst die Sprachstufen A1-A2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER), was einem Grundkurs entspricht. Der Kurs verfügt über insgesamt 16 Lektionen, die jeweils Einstiegstexte und Dialoge verschiedener Alltagssituationen, strukturierte grammatische Erklärungen und Übungen, bezogen auf gelernte Vokabeln und Grammatik, beinhalten. Eine Vokabelliste schließt jede Lektion ab.

Die Lektionen sind thematisch unterschiedlich gestaltet und sollen alle relevanten Bereiche des Alltags der Aramäer/Assyrer abdecken. Die fiktiven Hauptcharaktere leben in europäischen Staaten und kommunizieren über verschiedene Themen, wie Begrüßung, Familie, Essen, Kleidung, Land und Arbeit. Beinahe 90 Prozent des Kursinhalts sind begleitet von Audiodateien mit jeweils einer weiblichen und männlichen Stimme, aufgenommen von Muttersprachlern. Diese sollen den Lernenden bei der Übung der richtigen Aussprache von Wörtern und Sätzen helfen. Auch soll dies den Lernenden die besondere Sprachmelodie von Surayt näherbringen.

Die Übungen sind so aufgebaut, dass das gelernte Vokabular, sowohl Wörter als auch Sätze, direkt mit der gelernten Grammatik verknüpft ist. Die thematischen kulturellen Informationen bieten dem Lernenden die Möglichkeit, den kulturellen Hintergrund der erlernten Sprache zu verstehen. Im Anschluss an die 16 Lektionen befinden sich im Anhang: Das Glossar, ein Kapitel mit den Verbalparadigmen, und die Bibliographie, mit allen in Surayt und zum Surayt publizierten Texten. Das Glossar am Ende enthält neben dem Gesamtvokabular der Lerneinheiten zusätzliche syntaktische und grammatikalische Informationen, die weiterführendes Studieren des Surayt ermöglichen. Das Kapitel mit den Verbalparadigmen fasst die Informationen zum Verb in den Grammatikeinheiten tabellarisch zusammen. Darüber hinaus sind auch die schwachen Verben in dieses Kapitel aufgenommen, das ebenfalls zur Vertiefen der erworbenen Sprachkenntnisse dienen soll.    

Motivation und Interesse vorausgesetzt, wird mit diesem Lehrwerk das Lernen des Surayt den Lernenden Freude bereiten. Wenn die Lernmotivation fehlt, wird auch bei der Nutzung dieses Lehrwerks der Lernerfolg bescheiden bleiben. Lernende, die bereits Erfahrung mit semitischen Sprachen haben, werden einen natürlichen Vorteil beim Lernen des Surayt, als semitische Sprache, haben. Jedoch erfordert der Kurs keine Vorkenntnisse. Um die Lernenden mit dem Schrift- und dem Lautsystem des Surayt vertraut zu machen, werden in den ersten zwei Lektionen das Lautsystem und die neu entwickelte Orthographie ausführlich behandelt.

Der Kurs ist als eine umfassende Ressource gestaltet und all denen die Surayt sprechen, verstehen, lesen und schreiben wollen, sowohl für individuelles als auch klassenzimmer-basiertes Lernen gedacht, Die Online-Version steht in sieben Sprachen – Englisch, Deutsch, Schwedisch, Niederländisch, Französisch, Arabisch und Türkisch zur Verfügung.

Ältere Lernmaterialien für das Surayt

Anfang der 1980er Jahren begann die schwedische Regierung im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts an schwedischen Schulen auch den Surayt-Unterricht einzuführen. Dafür wurde am Nationalen Schwedischen Institut für Lehrmaterial (SIL) ein Projekt begründet, um Lehr- und Lernmaterialien für Surayt zu produzieren. Die Mitarbeiter dieses Projekts unter der Leitung von Dr. Yusuf Ishak entwickelten ein neues lateinisches Alphabet und veröffentlichten neben mehreren Schulbüchern auch eine Grammatik und ein Wörterbuch des Surayt.

Otto Jastrows Lehrbuch der Turoyo-Sprache (Semitica Viva 2. Wiesbaden: Harrassowitz, 1992) ist immer noch das einzige wissenschaftliche Lehrbuch für Surayt, welches an Universitäten für den Unterricht herangezogen wird.

Doch wurden im letzten Jahrzehnt von den Sprechern selbst in verschiedenen Ländern Europas weitere Lehr- bzw. Lernbücher für Surayt publiziert. Diese sind:

  • Jan Beṯ-Sawoce: Svensk-nyvästsyrisk Lärobok - Swedi-Şurayt [Ţuroyo], Södertälje: Nsibin 2008. (Based on: Jastrow Otto, Lehrbuch der Ṭuroyo-Sprache).
  • Ishaq, Yusuf (ed.): Toxu Qorena. Stockholm: Skolöverstyrelsen, 1983-1990.
  • Isler, Özcan: Surayt. Lešono Emhoyo Suryoyo. Modern Syriac Dialect of Turabdin. Dialogs, Phrases, Grammar & Dictionary, 2011.
  • Murat Can: Toxu Yёlfina Surayt. Laten we Surayt leren. Glane-Losser: Bar Hebraeus Verlag 2014.
  • Mikael Oez: Modern Aramaic in Practice. Modern Aramaic Press 2014.
  • Sami Ucel: Ṯuroyo. Der syrisch-aramäische Dialekt von Turabdin. Wien: Selbstverlag 2015.

Diese Publikationen, die sich an erster Stelle an Muttersprachler des Surayt richten, haben die Sprachgemeinschaft für diese vom Aussterben bedrohte Sprache sensibilisiert und trugen zu ihrer Entwicklung bei. Unabhängig von diesen Versuchen ist Šlomo Surayt der erste Online-Kurs, der die neusten IT-Tools im Bereich des Sprachen-Lernens integriert und nutzt. Es bietet einen einheitlichen Standard für diese Sprache, der auf wissenschaftlicher Forschung basiert und auf eine breite Akzeptanz innerhalb der Sprachgemeinschaft zielt. Auch deshalb wird der Kurs durchgehend parallel in beiden Alphabeten, im syrisch-aramäischen und lateinischen Alphabet, angeboten.
Für die Präsentation des Sprachkurses wurde auf moderne didaktische Methoden zurückgegriffen, darunter die Audio-Methode, um das intuitive Lernen zu fördern.

Dieses Lehrwerk wird parallel in allen Sprachen der Länder, in denen sich die Aramäer/Assyrer in größere Zahl niedergelassen haben, angeboten. Wir hoffen, dass Šlomo Surayt weltweit ein Publikum von Surayt-Sprechern und neuen Lernern aller gesellschaftlichen Gruppen erreichen wird. Zugleich soll es bei den Aramäern/Assyrern die sprachliche Identität fördern und die jüngere Generation auf der ganzen Welt motivieren, ihre „Muttersprache“ besser zu beherrschen.

Die Bibliographie im Appendix enthält eine Liste von Publikationen auf Surayt sowie ein wissenschaftliches Literaturverzeichnis zum Surayt.